„Du bist offen, doch im Verborgenen, Du bist im Herzen, doch rein vom Herzen. Alles bist Du, Nichts ist Du.“ Hz. Farid ad-Din ‘Attar
„Musik ist Poesie im wahrsten sinne des Wortes. Jeder Ton, jeder Text, jedes gespielte Instrument ist ein Tor zur menschlichen Seele.“ A.F.T
„Musik war mein Zufluchtsort. Ich konnte in den Abstand zwischen den Noten krabbeln und der Einsamkeit den Rücken krümmen. Ein Vogel singt nicht, weil er Antworten hat. Er singt, weil er ein Lied hat. Die Menschen werden vergessen, was du sagtest, die Menschen werden vergessen, was du tatest, aber die Menschen werden niemals vergessen, welches Gefühl du ihnen gabst.“ Maya Angelou
Neue Zeiten, neue Sehnsüchte
Die Zeiten ändern sich; auch die Sehnsüchte ändern sich.
Zeiten ändern sich, und Sehnsüchte ändern sich;
das Selbst ändert sich, und das Vertrauen ändert sich: Die ganze Welt besteht aus Wandel,
der stets neue Eigenschaften annimmt.
Ständig erleben wir Neues,
das in jeder Hinsicht anders ist als unsere Hoffnungen.
Vom Schlechten bleibt nur der Kummer in Erinnerung;
und vom Guten (wenn es denn welches gab), nur die Sehnsucht.
Die Erde ist von der Zeit mit einem grünen Mantel bedeckt –
der einst von kaltem Schnee bedeckt war –
und in mir verwandelt sie süßes Lied in Weinen.
Und jenseits dieses Wandels, Tag für Tag,
bringt ein anderer Wandel noch größeres Wunder:
dass ich mich nicht mehr so verändere, wie ich es gewohnt war.
Luís Vaz de Camões, aus „Sonetos“
Die Liebe ist ein Feuer, das unsichtbar brennt
Die Liebe ist ein Feuer, das unsichtbar brennt;
Sie ist eine Wunde, die schmerzt, doch ungespürt bleibt;
Sie ist eine unzufriedene Zufriedenheit;
Sie ist ein Schmerz, der wahnsinnig macht, ohne zu verletzen.
Sie ist ein Verlangen nach nichts anderem, als Gutes zu wünschen;
Sie ist ein Einsam-Gehen inmitten der Menge;
Sie ist ein Niemals-Zufriedensein – und doch Zufriedenheit;
Sie ist ein Sorgen, das gewinnt, indem es sich selbst verliert;
Sie ist der Wunsch, aus eigenem Willen gefangen zu sein;
Sie ist das Dienen dem, der besiegt – dem Eroberer;
Sie ist das Halten der Treue zu dem, der uns tötet.
Doch wie kann ihre Gunst bewirken
Freundschaft in den Herzen der Menschen,
Wenn die Liebe selbst dir so widersprüchlich ist?
Luís Vaz de Camões, aus „Sonette“
Deine Augen, Herrin, die wetteifern
Deine Augen, Herrin, die wetteifern
Mit der Sonne an Schönheit und Klarheit,
Sie erfüllen meine mit solcher Süße,
Dass sie beim Anblick zu Tränen schmelzen.
Meine Sinne, niedergestreckt, ergeben sich –
So geblendet – solcher Majestät;
Und aus ihrem traurigen Gefängnis der Dunkelheit,
Erfüllt von Furcht, suchen sie zu fliehen.
Doch wenn du mich dann zufällig ansiehst,
Sogleich jene harte Verachtung, mit der du mich anblickst,
Erweckt sie meine geschwächte Seele wieder zum Leben.
Oh, sanfte Heilung! Oh, seltsames Paradoxon!
Was würdest du mir mit einer Gunst gewähren, die du mir nicht gewährst,
Wenn du mir mit bloßer Verachtung Leben schenkst?
Wenn du mich mit einem Lächeln zum Weinen bringst?
Luís Vaz de Camões, aus „Sonetos“
„Was bin ich in den Augen der meisten? Eine Null oder ein Sonderling oder ein unangenehmer Mensch – jemand, der keine Stellung in der Gesellschaft hat oder haben wird, kurz, etwas Geringeres als die Geringsten.“
— Vincent van Gogh
Brief an seinen Bruder Theo, Seite 3-8
Du musst es mir nicht übel nehmen, lieber Bruder,
dass ich Dir schon wieder schreibe, — es geschieht
nur, um Dir zu sagen, dass das Malen mir ein so ganz
besonderes Vergnügen macht.
Vergangenen Sonntag habe ich etwas angefangen,
was mir schon immer vorgeschwebt hat:
Es ist ein Blick auf eine flache grüne Wiese, auf
der Heuhaufen stehen. Ein Kohlenweg neben einem
Graben läuft quer darüber hin. Und am Horizont,
mitten im Bilde, die Sonne. Das Ganze ein Gemisch
von Farben und Tönen — ein Vibrieren der ganzen
Farbenskala in der Luft. Zuerst ein lilafarbener Nebel,
in dem die rote Sonne halbverdeckt von einer, mit
glänzendem Rot fein umrandeten dunkelvioletten
Wolkenschicht steht; in der Sonne Spiegelungen von
Zinnober, oben darüber ein Streifen Gelb, der grün
Und weiter oben bläulich abtönt (bis zum zartesten
Himmelblau), und dann hier und da lila und graue
Wolken, die die Reflexe der Sonne tragen.
Der Boden ein kräftiges Teppichgewirk von Grün,
Grau und Braun, voller Schattierungen und Leben.
Das Wasser des Grabens glänzt auf dem lehmigen
Grund. Es ist so wie z. B. Emil Breton es malen
würde.
Dann habe ich ein grosses Stück Düne dick in
Farbe aufgetragen und breit gemalt.
Von diesen beiden Sachen, ich weiss es bestimmt,
wird man nicht glauben, dass es meine ersten gemal¬
ten Studien sind.
Offen gestanden verwundert es mich: ich hatte ge¬
dacht, die ersten Sachen würden nichts wert sein, und
wenn ich mich auch selbst loben muss, sie sehen
wirklich nach etwas aus, und das ist mir immerhin
überraschend.
Ich glaube, es liegt daran, dass ich zuerst, bevor ich
zu malen anfing, so lange gezeichnet und Perspektive
studiert habe, und ein Ding nun so aufsetzen kann,
wie ich es vor Augen habe.
Jetzt, seitdem ich mir Pinsel und Malgerät gekauft
habe, habe ich dann auch gearbeitet und geschuftet,
dass ich totmüde davon bin, sieben gemalte Studien
in einem Zuge.ich kann mich buchstäb¬
lich nicht auf den Beinen halten, und mag die
Arbeit doch weder im Stich lassen noch mich
ausruhen.
Aber das wollte ich Dir noch sagen: ich fühle,
dass mir beim Malen die Dinge in Farben vor Augen
treten, die ich früher nicht sah. Dinge voller Breite
und Kraft.
Das sieht so aus, als ob ich mit meinen eigenen
Werken schon zufrieden wäre: aber, ganz im Gegen¬
teil. Eines habe ich aber doch dabei schon erreicht:
wenn mir etwas in der Natur auffällt, so stehen mir
jetzt mehr Mittel zur Verfügung als früher, um es mit
grösserer Kraft zum Ausdruck zu bringen.
Ich glaube auch nicht, dass es mir etwas ausmachen
würde, wenn meine Gesundheit mir mal einen Streich
spielte. Soweit ich das beurteilen kann, sind das nicht
die schlechtesten Maler, die dann und wann eine
Woche oder vierzehn Tage haben, an denen sie nicht
arbeiten können. Das liegt wohl in erster Reihe daran,
dass gerade sie diejenigen sind, „qui y mettent leur
peau“, wie Millet sagt. Das stört nicht, und man
muss im gegebenen Fall keine Rücksicht nehmen;
dann hat man sich wohl für eine Zeit ganz ausge¬
geben, aber das kommt wieder in Ordnung und man
hat wenigstens das dabei gewonnen, dass man Studien
eingeheimst hat wie der Bauer seine Fuhre Heu. Nur
denke ich vorläufig noch nicht ans Ausruhen.
«•
Es ist zwar schon spät, aber ich muss Dir doch noch
ein paar Zeilen schreiben. Du bist nicht hier und
Du fehlst mir, aber es ist mir, als wären wir trotzdem
nicht weit von einander.
Ich bin neulich mit mir selbst übereingekommen,
mein Unwohlsein oder besser gesagt, das was mir
davon übrig geblieben ist, nicht zu beachten. Es ist
genug Zeit verloren, die Arbeit darf nicht hintenan¬
gesetzt werden. Also, ob gesund oder nicht, jedenfalls
werde ich wieder regelmässig von Morgen bis Abends
zeichnen. Ich will nicht, dass jemand wieder von mir
sagen kann: „Ach, das sind alles alte Zeichnungen.“
…. Meine Hände sind meiner Ansicht nach zu
zart geworden, aber was kann ich thun? Ich werde
wieder ausgehen, und wenn mir die Sache selbst teuer
zu stehen kommt, die Hauptsache ist, dass ich meine
Arbeit nicht länger im Stich lasse. Die Kunst ist eifer¬
süchtig, sie will nicht, dass man Krankheiten über sie
stellt. Und ich gebe ihr nach.
…. Menschen wie ich dürfen eigentlich nicht
krank sein. Du musst nur begreifen, wie ich zur
Kunst stehe. Um zur wahren Kunst zu gelangen, muss
man lange und viel arbeiten. — Was ich will und
mir als Ziel stecke, ist verteufelt schwierig und doch
glaube ich nicht, dass ich zu hoch hinaus will. Ich
will Zeichnungen machen, die einige Menschen in
Erstaunen setzen.
Kurz, ich will cs so weit bringen, dass man von
meiner Arbeit sagt: Der Mann empfindet tief und der
Mann empfindet fein; trotz meiner sogenannten Grob¬
heit — verstehst Du — vielleicht gerade deshalb.
Jetzt klingt es noch anspruchsvoll, so zu sprechen,
aber das ist dann auch der Grund, warum ich Kraft
da hinein bringen will.
Was bin ich denn in den Augen der meisten? Eine
Null, oder ein Sonderling, oder ein unangenehmer
Mensch, jemand, der in der Gesellschaft keine Position
hat oder haben wird, kurz weniger noch als der Geringste.
Gut: angenommen, das verhielte sich alles so, dann
würde ich durch meine Arbeit mal zeigen wollen,
was das Herz einer solchen Null, eines so unbedeu¬
tenden Mannes birgt.
Das ist mein Ehrgeiz, der trotz alledem weniger
auf Groll beruht, als auf Liebe, mehr auf einem Ge¬
fühl ruhiger Heiterkeit, als auf Leidenschaft. Und
wenn ich oft genug mit Widerwärtigkeiten zu kämp¬
fen habe, so ist doch in mir eine ruhige reine Har¬
monie und Musik.
Die Kunst erfordert eine hartnäckige Arbeit, eine
unausgesetzte Arbeit und unaufhörliche Beobachtung.
Unter hartnäckiger Arbeit verstehe ich in erster Reihe
eine anhaltende Arbeit aber auch das Aufrechterhalten
der eigenen Auffassung, den Behauptungen dieses oder
jenes gegenüber.
Ich habe mich in der letzten Zeit besonders wenig
mit Malern unterhalten und habe mich dabei nicht
schlecht befunden. Man muss nicht so sehr auf die
Sprache der Maler, wie auf die Sprache der Natur
horchen. Ich kann jetzt besser begreifen, als vor einem
halben Jahr, dass Mauve sagen konnte: „Sprich mir
doch nicht über Dupre, sprich mir lieber vom Rand
deines Grabens, oder von dergleichen.“ Das klingt
wohl seltsam, ist aber vollkommen richtig. Das Emp¬
finden für die Dinge an sich, für die Wirklichkeit ist
von grösserer Wichtigkeit als das Empfinden der
Malerei; es ist fruchtbarer und belebender.
Was ich noch in Bezug auf den Unterschied zwischen
der alten und der modernen Kunst sagen wollte: Die
neuen Künstler sind vielleicht größere Denker.
Rembrandt und Ruysdael sind gross und erhaben,
für uns genau in derselben Weise wie für ihre Zeit¬
genossen, aber in dem Modernen liegt etwas Persön¬
licheres, Intimeres, das mehr zu uns spricht.
Ich habe heute wieder eine Studie von der kleinen
Kinderwiege gezeichnet und farbige Striche hinein¬
gesetzt. Ich werde die kleine Wiege, hoffe ich, ausser
heute wohl noch hundertmal zeichnen — mit Hart¬
näckigkeit. Vincent van Gogh
Sources: oficina de filosofia: Te direi em Segredo – poema de Rumi